Leistungen Lehre
Lehre Drucken

Die M&A-Lehre an den Hochschulen

Das Gebiet der Unternehmensakquisitionen und -Fusionen ist sowohl vom fachlichen als auch aus Sicht der unternehmerischen Praxis ausgesprochen breit und anspruchsvoll. Da liegt es nahe, dass Hochschulen und Praxis hier eng zusammenarbeiten sollten. Dies ist nicht der Fall.

Schwellen zwischen Hochschule und Praxis

Immer noch sind Hochschule und Praxis in Deutschland zwei Welten. Erstere liefert zwar Absolventen als "Rohstoff" für die Praxis, dies jedoch eher mit dem Anspruch einer akademisch hochwertigen Ausbildung als mit dem Ziel, die Anforderungen der Praxis abzubilden. Die Fachhochschulen sind zwar näher an der Praxis orientiert, jedoch meist nicht weniger fern von der Praxis als Universitäten. Dies zeigt sich vor allem am Lehrkörper der Hochschulen.

Vergleich mit angelsächsischen Ländern und Frankreich

Die Angelsächsischen Hochschulen sind in der Verbindunge zwischen Ausbildung und Praxis weiter als die vergleichbaren Ausbildungsstätten im deutschsprachigen Raum. Während in Deutschland die Karrieren von Hochschullehrern separat von Industriekarrieren laufen findet sich in den USA und in Großbritannien ein reger Wechsel zwischen Hochschule und Praxis statt - vor allem an den praxisorientierten Business Schools. Selbst die ehrwürdige und führende europäische Business School - das INSEAD (Institut Europeen d'Administration) hat mit der Neubesetzung des Präsidentenstuhls durch den aus der Unternehmensberatung kommenden Dan Brown in 2006 einen Chef bekommen, der weder habilitiert noch promoviert ist.

Angebote zur M&A-Ausbildung im europäischen Ausland

Sowohl die großen Business Schools in Großbritannien als auch das INSEAD bieten eine breite Palette von Ausbildungen auf dem M&A-Gebiet, ausgerichtet von Professoren mit langjähriger Industrieerfahrung und anhaltender Beratungstätigkeit für die Wirtschaft. Auch hier sind spezielle in der Praxis gewonnene M&A-Erfahrungen eher die Ausnahme als die Regel - dies wird jedoch durch generelle Wechsel zwischen Fürhrungspositionen der Industrie und  Hochschule gemildert.

Spezielle Ausbildungsgänge für M&A finden sich naturgemäß in Hauptstudien und Post Graduate-Ausbildungen, da Grundkenntnisse über eine breite Palette von Fachgebieten und Erfahrungen über ihr Zusammenwirken zugrunde zu legen sind. Es gibt drei Institutionen, die weltweit als "Thought Leadership-Schmieden" im Bereich Mergers & Acquisitions im allgemeinen und speziell bei M&A-Integration anerkannt sind: London Business School, Harvard Business School und INSEAD. Speziell für M&A-Praktiker bieten sie im Rahmen ihrer "Executive-Education-Programme" drei Kurse:

  • London Business School: "Manage the Mergers and Acquisitions Process to Create Shareholder Value" - 5 Tage, Kosten GBP 5.450.- + Reise
  • Harvard Business School: "Corporate Restructuring, Megers andAcquisitions: Creating value in Turbulent Times" - 4 Tage, Kosten US$ 5.500.- + Reise
  • INSEAD: "Strategic Issues in Mergers & Acquisitions" - 5 Tage, Kosten euro 7.900.- + Reise (alle Angaben ohne Gewähr).

Doch auch bei diesen Angeboten sei Vorsicht angesagt: nicht jeder der Professoren hat Erfahrung aus der Praxis, vieles ist akademisch entwickelt und "angelesen", die meisten Kurse konzentrieren sich auf Teilaspekte von M&A, keiner bietet einen durchgängigen Managementansatz und allen fehlt es an der Seite der industriellen Technik und IT bei M&A.

Angebote zur M&A-Ausbildung in Deutschland

M&A ist auch an den Hochschulen zu einem Modethema geworden. Zahlreiche Universitäten, Fachhochschulen und private Anbieter locken mit Studienangeboten, Kursen und Programmteilen, die "M&A" im Titel führen. Der Zwang zur Einwerbung von Drittmitteln aus privater Quelle hat zu einem explosionsartigen Ansieg des Lehrangebotes geführt. Eine Erhebung im Herbst 2007 brachte rund 150 MBA-Programme zutage - alle Programme zusammengerechnet.

Doch Vorsicht! - die meisten "M&A-Titel" beinhalten nur "alten Wein in neuen Schläuchen", sind also nur neue Titel für alte (und praxisferne) Ausbildungsgänge.So finden sich Kurse zu "M&A Change Management", die von Professoren gelesen werden, die noch nie in der unternehmerischen Praxis waren, geschweige denn in einem M&A-Prozess involviert waren. Selbst bei Angeboten führender deutscher Business Schools (siehe unten) sollte der Bewerber kritisch nachhaken - und die Konkurrenz befragen. Dabei treten dann manchmal überraschende Tatsachen zutage, etwa dass ein angesehener Hochschullehrer, der neben seinem Universitätsjob eine Anwaltskanzlei betreibt, in dieser noch keinen richitigen M&A-Fall abwickeln konnte oder dass ein Hochschullehrer, der "Change Management" bei internationalen Firmen-Zusammenschlüssen im Lehrprogramm hat, seine ganze Praxiserfahrung in der Verwaltung der Öffentlichen Hand eines Neuen Bundeslandes gewonnen hat.

Business Schools im deutschsprachigen Raum mit M&A

Eine Reihe von (staatlichen / privaten) Hochschulen haben Business Schools gegründet oder sind als Business School ins Leben gerufen worden, die sich in ihren M&A-Aktivitäten besonders auszeichnen. Hervorzuheben sind:

  • Universität St. Gallen (HSH): hat die längste Historie bei M&A und ist mit seinen Instituten und Programmen für M&A beit aufgestellt. Bietet M&A-bezogene universitäre Erstausbildung (Bachelor & Master of Arts HSG) und Executive Education, insbesondere maßgeschneiderte Inhouse-Programme und Open Enrolment-Programme mit eizelnen Tagesmodulen in den Seminaren des Instituts für Betriebswirtschaft (ifB-HSG) bei Prof. Günter Müller-Stewens, der auch die Zeitschrift "M&A Mergers & Acquisitions Review" (www.mareview.de) herausgibt. Die HSG bietet aber keinen speziellen Studiengang für M&A an. Ansprechpartner: Volker Bernhardt, assistent des Direktors, Tel. 0041--71-224 3948. Weiteres finden Sie in der anliegenden pdf-Datei
  • Westfälische Wilhelms-Universität Münster: mit ihrer im Sommer 2002 gegründeten Jur Gad gGmbH. Sie bietet ein deutschsprachiges Master-Programm bei M&A, speziell für Juristen und Finanzwissenschaftler. Ansprechpartner: RA'in Kirsten Schoofs, Jürgen Schäfer, M.A. Informationen unter: www.llm-muenster.de oder Anruf unter 0251/620 77-0. Weiteres finden Sie in der anliegenden pdf-Datei
  • Frankfurt School of Finance & Management, Bankakademie HfB: bietet für Juristen und Finanzwissenschaftler mit abgeschlossenem Studium ein Aufbauprogramm in Form eines Masters of Mergers & Acquisitions in vier Studienmodulen.Ansprechpartner: Frau Christiane Wiegand, Tel. 069-154008-15, Programm-Managerin: Frau Kseija Razum, Tel. 069-154008-233, Informationen unter: www.frankfurt-school.deWeiteres finden Sie in der anliegenden pdf-Datei
  • EBS European Business School: Center of Mergers & Acquistions (CMA). Seit WS 2007/08 läuft an der EBS ein Master-Studiengang in Business Law. Hierbei handelt es sich zwar nicht um einen "M&A-Studiengang" allerdings bildet das Thema M&A, von Prof. Gerhard Picot unterrichtet, einen wichtigen Schwerpunkt. Ansprechpartner: RA Dr. Dirk Claassen, Tel. 0221-3 55 88 99-0. Informationen unter www.picot.de

Ausbildungs-Verbund des MMI mit der FH Ingolstadt

Das MMI, entstanden als "Spring-off" von M&A-Aktivitäten der Siemens AG, führt die Verbund-Aktivitäten zur M&A-Ausbildung zwischen Siemens und der Fachhochschule Ingostadt (FHI) fort. Siemens hatte mit der FHI das duale Ausbildungskonzept für den Konzern entwickelt. Siemens-Auszubildende (früher "Stammhaus-Lehrlinge") können dabei neben ihrer praktischen Ausbildung im Konzern ein Hochschulstudium an der FHI absolvieren und somit einen allgemein anerkannten Hochschulabschluss erwerben (siehe www.fh-ingolstadt.de) . Die Studien in Ingolstadt wurden mittlerweile auf Bachelor- und Masterprogramme eingestellt. In Ingolstadt werden. Das Angebot zu M&A beinhaltet:

  • das "International Project Management Seminar" auf englisch, kombiniert im Aufbaustudienprogramm und für das internationale Studenten-Austauschprogramm. Jährlich als Blockseminar (6 Tage) im Sommersemester. Zulassung: Studenten aller Fachrichtungen, die bereits ein Abschlussdiplom an einer deutschen oder ausländischen Hochschule haben. Teilnehmer: Studenten jeweils aus rund 15 Nationen. Die Veranstaltung bot einen Gesamtüberblilck über die Führung von M&A-Projekten vom Vorfeld bis zur Performance-Nachverfolgung. Schwerpunkte darin: Strategie, Integrations-Vorbereitung, Benchmarking, Baselining, Integrationsumsetzung. Vorlesungen und Übungen im Wechsel. Dazu Beiträge von Siemens-Projektmanagern aus internationalen M&A-Projekten. Die Veranstatlung hat sich aufgrund ihrer Lebendigkeit, der Vielfalt der Teilnehmner und der Breite der Wissensvermittlung größter Beliebtheit erfreut. Dieses Programm lief von 2002 bis 2006 und wurde / wird durch folgende Programme ersetzt:
  • das "Integral M&A Management Seminar", seit Sommersemester 2007 im halbjährlichen Turnus als Wahlpflichtfach im Master-Studienprogramm. 4-Tage-Blockseminar (jeweils Fr/Sa). Inhalte etwa wie im zuvor erläuterten Programm.
  • das "M&A Consulting Seminar", als Bestandteil des Aufbaustudienprogrammes "Business Consulting", erstmals im Sommersemester 2008 als 2-Tage-Programm, gehalten von Prof. Dr. Walter Schober (Dekan der Fakultät für allgemeine Wissenschaften und Vizepräsident der FHI) gemeinsam Dr. Kai Lucks.

Das Angebot der FHI im Verbund mit dem MMI und der Siemens AG unterscheidet sich von den Angeboten anderer Hochschulen auf dem M&A-Gebiet durch die Kombination folgender Kriterien: 

  • Internationale Orientierung durch internationale Studenten, internationales Management, internationale Projektbeispiele
  • Ausrichtung auf operatives Management von Projekten, performance-orientiert in ganzeitlicher Verantwortung "end-to-end"
  • Prozess-Orientierung, ausgerichtet auf Stakeholder-Management (Teilprozesse aus Sicht und für die hautpsächlichen aktiven M&A-Protagonisten für : Strategie/Planung, Transaktion/Dealmaking, operative Umsetzung, Gesamtmanagement/Gesamtcontrolling
  • Zulassung von Studenten mit Ausrichtung bzw Abschluss sowohl bei Wirtschaftswissenschaften als auch Technik/Naturwissenschaften. Damit relevant für zukünftige Schlüsselfunktionsträger aus allen Ressorts. 
  • Durchgängige Verfahrens-Kette unter Abdeckung der wichtigsten Methoden und Instrumente, insbesondere: Benchmarking, Baselining, top-down-Zielableitung, Ableitung Maßnahmen bottom-up, Umsetzungsmanagement und operatives Umsetzungscontrolling
  • Schnittstellen-Mangement als "Längsfunktion" zwischen den Projektabschnitten (z.B. Übergabe-Management von der Planung zur Umsetzung der Integration an die operative Führung
  • Schnittstellen-Mangement als "Querfunktion", z.B. zwischen der "harten" Umsetzung operativer Maßnahmen und dem "weichen" "Change Management".

 

Eine vergleichende Übersicht der Angebote finden Sie in der anliegenden pdf-Datei .